Mal wieder begeistert

bin ich vom allgegenwärtigen Bürokratiewahn. Jetzt gerade in Gestalt der von der EU ausgeheckten neuen Sicherheitsvorgaben „PSD2“ für das Online-Banking. Online-Banking mache ich, seit es das gibt und hatte nie Probleme. Heute habe ich nun den kompletten Vormittag damit zugebracht, auf dem aktuellen Konto alles umzufummeln und ein neues Konto, das zwar auch keinen Service bietet, dafür aber kostenlos ist, frei zu schalten und sicher zu machen, inklusive zweier Kontensperrungen zwischendurch.

Was mir nicht passt: „meine“ Postbank hat beschlossen, dass Landeier lange Wege gewohnt sind und von jetzt auf gleich die kleine Filiale bei Edeka im Hauptdorf dichtgemacht. Alternativen für ein bisschen Bargeld: 25 km in die Kreisstadt, 45 km in die ehemalige Kreisstadt, denn ich bin ja noch so ein Bargeld-Dino. Dafür plus Kreditkarte zahle ich satte 100 Glocken im Jahr, rechne ich das um in Wolle, leuchten mir die Augen. Also neues Konto, kostenlos mit kostenlosem Zugriff auf alle Sparkassen- und Raiffeisen-Automaten, die hat es hier ja – noch.

Also frisch voran, neues Sicherheitsverfahren einrichten. Klasse Ding, man wird damit quasi zum Smartphone genötigt, Verweigerung dieser Dinger ist ja eh kaum noch möglich. Ich habe diese Verweigerung inzwischen auch aufgegeben und war also wenigstens technisch gerüstet. App laden und einrichten ging einigermaßen problemlos, wenn man mal von der altersgerechten Phobie vor all diesem Kram absieht.  Erfolgsgestärkt wollte ich dann  das neue Konto aktivieren inkl. Ingangsetzung aller Sicherheitsmaßnahmen. Dazu habe ich von der Bank einen dicken Packen bedrucktes Papier bekommen, was die Furcht nicht gerade verringerte. Ich tat also, was ich sonst kaum tue, ich habe alles fein durchgelesen und habe das meiste verstanden. Und dann – ran ans Werk! Apps laden – problemlos. Passwörter vergeben, sofern verlangt, problemlos, hatte ich mir ja schon ausgedacht. Fingerabdruck-Identifizierung eingerichtet, prima, diesen entsprechenden Finger habe nur ich, kann nix passieren.  Dann tiiiiiief durchgeatmet, Kontozugang schaffen. Da ging das Theater dann los. Ich erspare mir die ausführliche Beschreibung, habe aber zwei Kontensperrungen geschafft und konnte so gleich mal den Telefonservice der Bank testen – ja, geht so, gibt viel schlimmere Warteschleifen. Zwischendurch habe ich dann verzweifelt versehentlich ein neues Konto beantragt, was mir aber erst klar wurde, als ich den Antrag abgeschickt hatte ;-)). Ja, am Ende läuft jetzt alles, habe ein paar Euros auf das neue Konto überwiesen, wenn die da angekommen sind, bin ich für heute restlos glücklich, das „neue Konto“ hat man inzwischen auch unbürokratisch storniert.

Fazit: Am Bürokratenwahn (mit irgendwas müssen die sich ja in Brüssel die Zeit vertreiben) kommt man nicht vorbei, also abgehakt nach dem Motto, ehe ich mich aufrege, ist es mir lieber egal. Nun warte ich mal ab, was dann demnächst das Online-Einkaufen für Überraschungen bereit hält. Vor allem die Händler werden sich freuen, wieder eine neue Verkomplizierung übergeholfen zu bekommen.

Aber – an die Adresse der Banken – warum zum Teufel seid ihr einfach nicht in der Lage, wichtige Begriffe, die in etlichen Schreiben zu diesen ganzen Freischaltprozessen mitgeteilt werden, namens-identisch mit denen hinzukriegen, die dann in der Anmeldung abgefragt werden???  Es würde viel Kummer, Selbstzweifel und Verbitterung verhindern und das Callcenter könnte um mindestens drei Mitarbeiter entlastet werden. Oder geht es gar um die Sicherung/Schaffung von Arbeitsplätzen, wenn man möglichst viele Kunden erstmal gegen die Wand knallen lässt?

9 Kommentare zu „Mal wieder begeistert

  1. Liebe Regina,

    Herzlich willkommen. soweit wie Du sind wir noch nicht. D. h. ich mache schon seit 20 Jahren HBCI-Banking mit Karte und Lesegerät. Bißchen kompliziert beim Einrichten, aber danach super. Mein Mann hat im August die Mitteilung gekriegt, dass für sein Konto das TAN Verfahren umgestellt wird. Und jetzt der Witz: In dem Schreiben stand, dass entweder HBCI Banking mit Signatur oder Karte oder 3 verschiedene TAN-verfahren möglich sind. Toll, wir richten HBCI mit Karte für Dich ein, sagte ich. Er hat es beantragt und einen Ini Brief mit Zugangsdaten für HBCI bekommen. Seit 4 Wochen versuche ich an so eine Karte zu kommen – nix. Letzte Woche dann der Clou, ich habe bei der Fa. Reiner die Karte gefunden – und sie ist nicht bestellbar, weil vergriffen!? Ein neuer Anruf bei der Bank ergab die Auskunft, dass HBCI Banking (immerhin das sicherste Verfahren) für Privatkunden nicht verfügbar ist, er soll sich eins von den TAN Verfahren aussuchen (ist ja für Privatkunden ausreichend!). Wofür nun der INI Brief? Dafür hat er eine neue TAN Liste letzte Woche bekommen.
    Der Witz in Tüten! Die Bank ist übrigens die HVB. Er überlegt jetzt, die Bank zu wechseln.

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    1. Ja, dann willkommen im Club! Man weiß immer nicht, ob die einen verar… wollen oder einfach nur zu unfähig oder gar desinteressiert sind. Ist aber egal, ausbaden muss man es immer selbst. Wahrscheinlich empfiehlt es sich auch für Euch, zu einer Bank zu wechseln, bei der man weiß, was die machen und hoffen kann, dass sie es auch können. Ich versuche es jetzt bei der DKB, ob es die richtige Entscheidung war, wird sich herausstellen…

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      1. Neuer Stand ist: Keine Bank gibt im Moment Chipkarten raus. Bei der HVB sind alle entsprechenden Links, die ich noch vorige Woche gefunden habe, nicht mehr auffindbar. Meine Sparkasse bietet auch keine Karten mehr an und mehrere andere Banken, die angeblich HBCI Karten bieten, haben scheinbar auch umgeschwenkt. Eine einfache Nachfrage bei Lexware (ehemals Quicken), ob Photo-TAN mit Ihrer Software möglich ist, hat den Online Chat in den Absturz getrieben und die telefonische Hotline will zurückrufen. Ich glaube, alle sind überhaupt nicht auf die angeblich sicheren Lösungen, die sie seit Jahren schon anbieten, vorbereitet. Das gibt ein Riesenchaos. Also wechseln scheint im Moment auch keine Option zu sein.

        Gruß Moorena12

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  2. Klingt, als hättest Du viel Spaß gehabt. Hauptsache, es läuft jetzt. Ich hatte letzte Woche auch eine Mail von einer Bank, die die Papier-TAN abschaffen will/muss. Schön, dass die einen so kurz vor knapp darüber informieren und die neue App noch gar nicht bereitsteht, wenn es losgeht. Noch schöner aber, dass die noch SMS-TAN verschicken, so brauche ich wenigstens kein Smartphone.

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    1. Ja, aus heutiger Sicht hatte ich meinen Spaß 😉 Und die Bewunderung meines Gatten ist es auch wert, denn der ist der Meinung, sowas nie im Leben zustande bringen zu können, daher macht er auch kein Online-Banking 😉 Das mit dieser Umstellung ist ja schon lange bekannt, offensichtlich weigern sich manche Banken, das zur Kenntnis zu nehmen, aber ich fürchte, über kurz oder lang wird es Euch dann auch treffen…. Und dann brauchst Du die App oder behilfst Dich mit so einem unhandlichen grausigen Kartenlesegerät.

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    1. ja, funzt. Der höhepunkt wird sein, wenn ich das überwiesene Geld dann auf dem neuen Konto finde. Dazu muss ich mich aber erstmal mental gründlich vorbereiten 😉
      Mit der Entspannung hat es aber schon geklappt…
      Grüßle – Regina

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