Preußenkönig Friedrich der II (kennt hier kaum einer) oder wie er in seinem späteren Leben meist genannt wurde, der Alte Fritz (kennt hier jeder), war ein äußerst umtriebiger, vielseitig interessierter und sehr fleißger Monarch, der speziell hier sehr verehrt wird, denn das Oderbruch in seiner heutigen Form verdankt ihm schließlich seine Existenz. Und so haben dann auch viele Dörfer entweder ein Fritz-Denkmal und/oder eine Alte-Fritz-Gastwirtschaft. Unser Hauptdorf hat beides an einem zentralen Platz vereint, die Gastwirtschaft sucht leider seit Jahren schon nach einem neuen Betreiber.

Auf der Website unseres Hauptdorfes gibt es eine recht gute, wenn auch knappe Übersicht zum Thema.

Im Hauptdorf steht an zentralem Platz ein recht imposantes Fritz-Denkmal (das fast immer mit Blumen geschmückt ist) mit einer spannenden Geschichte, denn zu DDR-Zeiten mochte man ja Könige und Kaiser nicht und der Alte Fritz machte da auch keine Ausnahme, es galt halt Sippenverachtung.

00Fritz-01

Denkmal und Gaststätte „Zum Alten Fritz“ in Letschin – leider derzeit unbewirtschaftet

Doch er konnte dank selbstlosen Einsatzes „getreuer Untertanen“ vor der Einschmelzung gerettet werden. Hier gibt es einen – wenn auch schon etwas älteren – so doch wundervollen Artikel der „Zeit Online“ zum Thema; besser könnte ich das auch nicht aufschreiben ;-))

 

Rund 600 000 Taler soll es Mitte des 18. Jahrhunderts gekostet haben, das Bruch trockenzulegen, rund 50 Dörfer zu gründen und zu besiedeln. Aufrufe im Oderbruch zu siedeln wurden weithin bekannt gemacht, gewürzt auch mit dem Versprechen, hier fruchtbarstes Ackerland zu erhalten. Tausende Kolonisten kamen vor allem aus Österreich, der Pfalz und aus Frankreich. Rund 8000 Menschen sollen dem Versprechen auf Land, Religionsfreiheit, Verzicht auf Militärdienst und Steuervergünstigungen gefolgt sein. Viele der Neusiedler erhielten auch ein Fachwerkhaus zum bereits gerodeten Land. Vielerorts sind die Fachwerkgebäude noch heute erhalten, so in Neulietzegöricke, dem ältesten Kolonistendorf und auch in unserem kleinen Dörfchen.

Spannend machen diese Gegend auch die vielen Zeugnisse des unermüdliches Wirkens von Carl Friedrich Schinkel, des Fritz’schen Oberlandesbaudirektors. Kleinste Dörfer haben ihre Schinkel-Kirche, die man alle an ihrer unverwechselbaren Schinkel- Architektur sofort erkennt (hier gab es schon mal eine Geschichte dazu). Das Hauptdorf hatte allerdings mehrfach Pech mit seiner Fachwerk-Kirche, die nach einem Brand und Wiederaufbau wenigstens einen Schinkel-Turm erhielt. Im Zweiten Weltkrieg allerdings wurde sie dann endgültig zerstört; übrig davon ist jetzt der „Zuckerhut“ – der Denkmals-Schinkel-Kirchturm aus den Resten der einstigen Kirchen – hat auch was – so als Denkmal (im Innern gibt es eine kleine Geschichtsstunde dazu): 00Fritz-04

Ohne die königliche Trockenlegung wäre das Oderbruch immer noch eine Landschaft ähnlich der des Spreewaldes. Unzählige Nebenarme des Flusses zogen sich durch das Land, noch heute ist die „Alte Oder“ in Teilen erhalten. Man begegnet ihr und ihren vielen Seitenarmen sehr häufig, denn ein gerades Bett hat sie wirklich nicht, ist aber speziell bei Anglern sehr beliebt. DSC00745Bei meinem auch, aber er scheint immer noch nicht die passende Stelle gefunden zu haben, seine Fischzüge bleiben meist ohne Fische;-).

Das zur Historie der neuen Heimat. Die nächste Folge wird dann kulturell. Bis dahin  liebe Grüße in die Runde

Regina