es muss ja jetzt mal gesagt werden, dass ich von Tag zu Tag mehr in meiner neuen Heimat Wurzeln schlage. Ja, es ist erstmals so, dass der Begriff „Heimat“ mir wirklich etwas bedeutet, einen konkreten Inhalt bekommen hat. Hier bin ich jetzt zuhause. Klingt etwas schwülstig, ist aber so.

Dazu eine kleine Anekdote: Beste Freundin, die ja gerade eine Woche zu Besuch war, meinte während eines Ausfluges an die Oder, dass sie gedacht hätte, mir müsste doch im Kopf etwas schief laufen, als ich vor sechs Jahren bei unserem ersten Besuch hier im Oderbruch zu ihr gesagt hatte, in dieser Landschaft zu leben, das wäre mein Taum. Damals war das fernab von jeder Realisierbarkeit. Jetzt, nach einigen Aufenthalten hier, meinte sie, inzwischen könne sie mich sehr gut verstehen, es sei jedoch ein Landstrich, den man nach und nach entdecken muss und die „Liebe“ käme erst auf den zweiten Blick. Ja, so kann man es sehr gut erklären.

Lange Vorrede am Thema vorbei? Nicht wirklich. Denn diese flache Landschaft mit ihren weiten Feldern und dem „niedrigen Himmel“Wolken_02

ist unter anderem gekennzeichnet von Weiden in allen Variationen und die Weide ist schon immer mein Lieblingsbaum; ich bewundere ihre Lebenskraft, freue mich, wenn die ersten Bienen um die frühen Kätzchen brummen, bestaune die einzigartige Färbung, bevor die Blätter an den langen biegsamen Ruten anfangen zu sprießen. Typisch für’s Oderbruch ist vor allem die Kopfweide, die überall anzutreffen ist und die es zu wahrlich bizaren Gestalten schafft:

Kopfweide-04kDieses ur-uralte Exemplar hat sicher schon den ‚Alten Fritz‘ bei seinen häufigen Aufenthalten hier gesehen…Kopfweide-01k-neuTraditionell ist hier auch das Korbflechter-Handwerk zuhause, kein Wunder, da der benötigte Rohstoff überall vor der Haustür wächst. Und da sind wir dann auch schon beim Kern der Sache – diesem Handwerk, das so herrlich kreative Dinge hervorbringen kann, möchte ich mich nähern. Es wäre vermessen zu sagen, das möchte ich erlernen, nee, nach dem ersten Studium eines eigens angeschafften BuchesWeidenbuch01bin ich ja voller Ehrfurcht und möchte mich anhand vieler schöner Anleitungen auch für Unbedarfte wie mich mit der Materie beschäftigen. Als ersten spuken mir da Futterkörbchen für’s gefiederte Volk durch den Sinn und wir wollen versuchen, einen lebenden Zaun aus Weidenruten an der hinteren Grundstücksgrenze zu installieren. Eine Anleitung dazu ist auch vorhanden und es hört sich ja piepe-einfach an;-).

Ich werde Euch auf dem Laufenden halten. Die erste Aufgabe heißt jetzt, ergründen, wie man zu den Flecht-Ruten kommt, denn dass man nicht mit Schere und Messer losziehen darf um zu ernten, das weiß ich schon.

Für heute liebe Grüße in die Runde

Regina, die sich freut, dass endlich mal wieder die Sonne scheint…