Da es heute auch weder Schnee- noch Strickgeschichten gibt, wollte Lieschen ihre Geschichte fortsetzen, denn sie meint, das gestern war ja nur eine lahme Einleitung. Bevor ich aber Lieschens Wunsch entspreche, möchte ich eine kleine Ergänzung zur gestrigen Einführung in Lieschens Leben im Hause Wollfrosch machen. Wie zu erfahren war, kommt diese Katze aus dem Tierheim, wo sie schon einige Zeit geduldig auf ihre neue Dosine gewartet und sich in mühevoller Kleinarbeit einen gewissen gar nicht schmeichelhaften Ruf geschaffen hatte. Für das Folgende muss man vielleicht auch wissen, dass Frau Wollfrosch dieses Tierheim und seine Besatzung schon lange kennt und beiden herzlich verbunden ist (und deren Leistungen zum Wohle der notleidenden Vierbeiner gar nicht hoch genug schätzen kann), man meint es dort also gut mit mir.

Also Frau Wollfrosch, Mutter Wollfrosch sowie eine liebe katzen-fachkundige Begleiterin, beste Freundin nämlich, die sich schon im Vorfeld als Patentante für die neue Katze angeboten hatte, entern – gefolgt von der Heimchefin – das Katzenhaus. Wie bereits erwähnt, es war Sache von Sekunden, da hatte Lieschen bereits mein Herz (sie hatte Glück, denn ich war der Entscheider in der Angelegenheit) erobert und ich tat dieses auch sofort kund. Meine tüchtigen Begleiterinnen meinten, wir sollten doch auch den anderen Miezen eine kleine Chance geben – nix da, Lieschen sollte mitkommen. Aber da sprach plötzlich die Autorität des Heimes in Gestalt von Chefin Margot ein, wie sie meinte, autoritäres Machtwort und erklärte kategorisch: „alle Katzen kannste haben, aber dieses Biest lass gefälligst hier!“  „Äääääääääähhhh????? Watt jetzt???  Wiiiiiiiessooooooo????“. Ja, und die gruselige Erklärung lautete, diese Liese sei das mit Abstand gefährlichste, aggressivste und heimtückischste Katzentier, das dieses Heim jemals bevölkert habe. Abgeben mussten ihre vorigen Dosies sie, da sie deren Zwerge heimtückisch und bösartig verfolgt und misshandelt hatte. Hmmmm. Nun behaupte ich nicht, diese Worte wären nun eine ganz besondere Herausforderung für mich gewesen, da ihnen ja auch noch eine Abschreckungs-Demo mit zwei weiteren Katzen folgte, die zu Liese in den Gang gelassen wurden und die sie sofort gnadenlos auf die höchsten erreichbaren Punkte dieses Raumes trieb. Nöö, wie ich eben so gestrickt bin, wollte ich das alles einfach nicht glauben, da ich mich ja bereits von Lieschen als neue Dosine adoptiert fühlte. Nach allerlei weiteren Abschreckungsmanövern ging es dann unter endlosem Protest und düsteren Zukunftsprophezeihungen der Heimleitung zur Vertragsunterzeichnung. Liese saß bereits lieb grinsend in ihrem Transportkörbchen und konnte es kaum erwarten, ihr neues Zuhause in Besitz zu nehmen. Einiges davon wird sie ja nun selbst erzählen, aber Fakt ist, nicht erst heute, nach gut anderthalb Jahren hier, sondern von Anfang an ist sie die liebste Kuschelkatze, die der Mensch sich denken kann – wenn sie will und meist will sie ja….
Aber jetzt hat erstmal Lieschen wieder das Wort:


hier zeig ich Euch also erstmal, dass
Dosine nicht flunkert, ich BIN artig, IMMER!

Wie immer im Leben – ohne Fleiß keinen Preis.
Ich habe gelernt, auch Katzen müssen für ihr Futter
ganz schön schuften, vor allem ich. Und ich zeig Euch jetzt mal,
was die mir hier alles aufdrücken!
Hier passe ich gerade auf, dass keiner die paar Äpfel klaut.


Besonderes Augenmerk lege ich auf
die fachgerechte Wäschepflege, hier bügele ich gerade Gardinen,
das begeistert die Dosine immer wieder.

Auch bei der sonstigen Wäschepflege bin
ich eine unbezahlbare Hilfe, sagt auch die Dosine!
Zu meinen vielfältigenTätigkeiten am Computer
gehört das mühevolle künstlerische Verzieren der langweiligen
Ausdrucke. Hier seht Ihr, wie ich mit höchster Konzentration
Härchen für Härchen auf die Fixierwalze des Laserdruckers gleiten lasse –
Ihr glaubt ja gar nicht, zu was für Entzückensschreien
meine Tütenöffnerin fähig ist, wenn sie dann die
meisterhaften Ergebnisse sieht!
Hier helfe ich bei der allgemeinen Computerei – das ist eine Tätigkeit,
die viel Aufmerksamkeit und Konzentration erfordert,

aber auch nie richtig gewürdigt wird….

 
Die neue Küche habe ich fast alleine
eingeräumt, aber meint Ihr, da hätte einer
„danke“ gesagt oder wenigstens mal ein
Leckerli rüberwachsen lassen? Fehlanzeige!


Auch im Garten gibt’s reichlich zu tun.
Hier bewache ich Brille und Strickzeug.
Dass ich die Augen geschlossen halte, das ist nur
Tarnung und zeugt von höchster
Konzentration!

Auch eine harte Freiluft-Aufgabe: Kämpfen und Feinde vertreiben,
die nachts heimlich an die Haustür pieseln, wo gibt’s denn sowas!?

Ja, und bevor ein arbeitsreicher Tag dann zuende geht,
setzt Katze noch einen drauf und hilft
Dosine beim Perlen sortieren. Da freut die sich immer
ganz besonders – sagt sie jedenfalls.

Ja, und das hier ist Paula. Paula hatte Herrn Wollfrosch adoptiert,
aber leider durfte sie nicht lange bei uns sein;
im Sommer ist sie über die Regenbogenbrücke gegangen
und hat ihre Dosies und auch mich ganz
traurig zurück gelassen (hier lebt sie aber noch,
auch wenn es nicht so aussieht….).
Als ich am Tag danach die Dosies mit einem Kunststückchen
erheitern wollte – ich hatte eine Kröte apportiert –
ging das phämomenal in die Hose. Vor allem für mich,
ich habe geschäumt und zwar aus ALLEN Körperöffnungen,
so dass die Dosies dachten, nun hätten sie gleich gar keine Katze mehr
und schreiend und panisch durch den Garten rannten.
Aber so nach einer halben Stunde war alles wieder gut, naja, ziemlich.
Und ich habe gelernt: Kröten sind bääääähhhhhh.
Bis bald mal wieder – da erzähle ich Euch dann mehr von Paula
und mir natürlich.
Euer Lieschen