Urlaub in Sicht!

Manchmal ist es bei den Fadenkrams geradezu unheimlich mit der Telepathie (oder wie man das so nennen will). Während der eher langweiligen Fahrt letzt an die Ostsee zog mir so durch den Sinn, dass wir ja durchaus mal wieder nach Ungarn an den Balaton fahren könnten.

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Blick auf die Abtei auf der Halbinsel Tihany

War ewig kein Thema mehr, da das letzte Mal ein ziemlicher Rund-um-die-Nacht-Lärm-GAU war. Aber man hat ja heutzutage alle Möglichkeiten, derart lärmende Geschichten (damals war es ein Rock- und Heavy-Metal-Festival auf der anderen Seeseite, das uns in vier von sechs Nächten jeweils von 17:00 bis ca. 4:00 h in der Früh in unserem herrlichen Haus im Weinhang mit Blick über den See mit brachialer Gewalt den Schlaf raubte) vorab terminlich auszuschließen. 0000 Tihany-01 Also sollte der Gedanke erstmal in meinem Hirn reifen. Und als wir dann versonnen in Prerow am Strand saßen, meinte auf einmal der Herr Fadenkram lässig und locker, wir könnten doch endlich mal wieder nach Ungarn fahren. Ja, klar, dachte ich auch gerade dran. Also abklatschen, freuen und in die Planung einsteigen.

Zuhause dann mündete meine sofort begeistert akzeptierte Idee, doch am besten so schnell wie möglich – also noch vor den Sommerferien – zu fahren, in heftige Organisationswut. Der Knackpunkt war dann wieder mal Katze Lieschen, 0000 Lachkatzedie man nicht einfach so in eine Tierpension stecken kann. Sie hat ein paar Dörfer weiter ihre Spezial-Nanny und diese sah keine Möglichkeit so kurzfristig unsere artgenossen-unverträgliche Diva zu beherbergen. Gestern kam aber dann doch der alles entscheidende Anruf – Liese kann kommen!

Ha, eine Stunde später war das Quartier klar, ein paar organisatorische Dinge (Maut-Vignetten und so Kram) geklärt und die Reisevorbereitungen konnten in die heiße Phase gehen. Dieses Mal soll es nicht mehr die total überlaufene Halbinsel Tihany sein,0000 Tihany-05 wir haben ein Häuschen am Nordostufer und in der Ortsmitte, wo wir um diese Zeit altersgerechte Ruhe zu finden hoffen.

Gelungener Neustart

So schnell lässt sich die manische Strickerin von Rückschlägen nicht entmutigen, also flott voran, neues Modell, neues Garn und ab geht die Luzie. Sunshine-01Das Objekt der Begierde ist „Sunshine Coast“ von Heidi Kirrmaier, das ich schon lange umkreist hatte, aber nie so richtig den finalen Anstoss gefunden hatte. Jetzt war es soweit und ich bin schwer angetan – die Anleitung ist narrensicher, der Anfang etwas frickelig, dafür passt der Halsausschnitt genial und dann geht es flott voran (sieht man ja ;-)). Als Garn habe ich mir die Panama aus dem Vorrat gegraben, eine sommerliche Mischung aus 55% Viskose, 33% Baumwolle und 12% Leinen von Rowan mit 135 m auf 50g. Mit Nadeln 3,5 treffe ich die Maschenprobe exakt und es geht lustig über die Nadeln.

Voll in die Hose

Sommer satt in Fernost – was liegt da näher als Sommerstrick? Also habe ich in den vorhandenen (!) Schätzen gewühlt und bin auch schnell fündig geworden: „Fred Linen“ von Ice Yarns, ein nettes dünnes Strickbändchen aus Leinen, Acryl und etwas PA dabei;

tegna-04 nie wäre ich darauf gekommen, dass da der Wurm drin sein könnte. War aber. Ich wusste es wie immer besser, denn der zeigte sich ja schon ansatzweise in der Maschenprobe, da dachte ich aber, bei Rundstrick wäre das kein Problem. War es leider doch – und was für eins: tegna-01Offenbar ist das Garn stark verdrallt, so dass ich fürchten musste, dass ich bei den Armlöchern eine volle Drehung erreicht haben könnte…  Schon jetzt sind es 12 Maschen in der Vertikalen (sieht man trotz verschwurbeltem Foto, hoffe ich). Dazu ist das Strickbild grausig und das Garn aus mikroskopisch dünnen Fädchen sehr empfindlich und schwer zu handeln.tegna-03Also gab es eine fadenkramsche Premiere: Das Ganze einschließlich Restgarn steckt schon in der schwarzen Tonne. Schade um die Arbeit, aber man muss wissen, wann es sinnlos ist.

Nun habe ich noch eine komplette Pullovermenge eines ähnlichen Garns aus Baumwolle tegna-05und Acryl – da werde ich wohl eine recht große MaPro machen und dann nicht das Prinzip Hoffnung fahren, sondern womöglich gleich die Reißleine ziehen. Schade drum…

Prerow und „De lütt Wollstuw“

Der 1. Juni ist für die Fadenkrams ein magisches Datum, nämlich der Jahrestag unserer Gemeinsamkeit. In diesem Jahr war es der 30. und man steht staunend und fragt sich, wo all die lange Zeit geblieben ist. So viele Erinnerungen bringt ein solcher Tag und alle scheinen noch so nah – dabei liegen Jahrzehnte dazwischen. Traditionell machen wir an diesem Tag einen schönen Ausflug an die Ostsee. Prerow-01In diesem Jahr musste dieser verschoben werden, da uns 30° an der See mehr als suspekt waren – zumal immer eine ausgiebige Strandwanderung das schönste ist. Dabei möchte man wirklich nicht zu Kohle gegrillt werden.

Heute hatten wir den absolut perfekten Tag erwischt – entspannte Fahrt, strahlend blauer Himmel, ein kühlendes Lüftchen und der Strand fast menschenleer. Herrlich, leider verging die Zeit wie im Fluge; man kennt das ja – immer wenn es so richtig schön ist….Prerow-03Auf meinem Plan stand dann auch noch der Besuch in „De lütt Wollstuw“ in Prerow. Jaha, die Ortswahl muss schließlich auch einen praktischen Hintergrund haben, sonst könnte man ja überall hin fahren, nach Usedom oder Rügen zum Beispiel, wo es auch sehr schön ist, aber ich wollte mal so richtig in Farben und Weichheit schwelgen. Und das ist gelungen, denn dort ist ein für den kleinen Laden vergleichbar großes Angebot an Malabrigo und Madeline Tosh-Garnen, dass einem die Augen übergehen. Auch hatte ich Gelegenheit, das ganz neu ins Lanade-Angebot aufgenommene Shetland-Garn von Jamieson & Smith in Augenschein und in die Hand zu nehmen. Die Farbvielfalt ist überwältigend. Und ich will auch nicht meckern, ich weiß, was „Shetland“ in Bezug auf Wolle heißt, aber dieses Garn machte mir dann doch den Eindruck, dass man eine Bommel daraus als Scheuerschwamm einsetzen könnte. Also nur was für hartgesottene Häute 😉

Und wie das immer so ist, eigentlich wollte ich ja nur mal grabbeln, aber da Carolin mir nun alles so nett und ausführlich gezeigt und erklärt hatte, musste wenigstens ein kleiner Strang Malabrigo Mechita namens „Marte“die Heimat wechseln.  Und wirklich, das ist Rot („in echt“ viel schöner, aber mehr gibt das schwindende Licht jetzt nicht mehr her…)! Marte-02Der kleine Laden ist ein echter Geheimtipp aber auch ein schwerer Angriff auf den Geldbeutel. Ach ja, ein kleiner Männerparkplatz mit Zeitungen und Magazinen ist auch da, was ja nicht zu unterschätzen ist 😉 Und in all der aufgeregten Süchtelei habe ich es nicht mal geschafft, ein Foto von dem Laden zu schießen…

Mein kleiner grüner Kaktus…

…gehört zwar dem Herrn Fadenkram, aber ich war maßgeblich an seiner Vertreibung (des Kaktus, nicht des Gatten) in den Wintergarten als letzte Station seines erbärmlichen Daseins mit nix als ein paar hässlichen Blättern beteiligt. Dazu dann die Drohung, er möge nun endlich mal zeigen, was er so drauf hat, ansonsten wartet der Komposthaufen schon ganz gierig auf ihn.

Hat Wunder gewirkt – denn was macht diese Pflanzen-Unmöglichkeit dort? Ja richtig, sie fängt munter an zu blühen und das so überwältigend schön, dass ich es einfach zeigen muss.00Kaktus-01

Habt einen gemütlichen Restsonntag in einer hoffentlich angenehm kühlen Umgebung! Hier höre ich gerade ein noch weit entferntes Donnergrollen – und überlege, ob ich rausmarschieren und einen Regentanz auf das Parkett den Rasen legen sollte….

Amburgo – ein genialer Restefresser

Ewig und drei Tage habe ich an ihm herumgenadelt, anfangs mit viel Zweifel, ob das mit den Rippen meine Rippen(pölsterchen) nicht betont, anstatt mich optisch zu strecken – wie man das ja immer so möchte  😉 Die Anleitung  von Claudia Eisenkolb (Himawari) ist eine von denen, die zwar narrensicher aber in ihrer Ausführlichkeit fast schon wieder verwirrend daher kommen. Aber man kennt das ja inzwischen und kann abkürzen. Amburgo-04Die Konstruktion ist absolut clever, man beginnt im Rücken mit einem Quadrat aus der Mitte heraus (wenn man den frickeligen Anfang gemeistert hat, ein Klacks!), dann folgt für das Vorderteil ein dreiviertel Quadrat, mit dem man dann gleich den Ausschnitt erledigt hat, diese werden verbunden, das ergibt die Ärmelöffnungen und dann geht es munter weiter immer rundherum. Amburgo-02-1Gestrickt habe ich mit diversen Resten selbstgefärbter Merino/Seiden-Mischung inkl. Nachfärbungen, denn ich hatte nie gedacht, was da so an Garn reingeht… Lag vielleicht auch daran, dass ich einen dunkelgrünen Lace-Faden des gleichen Materials mitgestrickt habe, um die Farbübergänge anzupassen, was relativ gut gelungen ist.

Mit Nadeln 3,5 mm habe ich 710 g verstrickt, 457 g in SoWo-Stärke, 253 g Lace. Nicht gerade ein Leichtgewicht, aber sehr angenehm auf der Haut, flattert nicht, markiert aber auch keine Röllchen, ich bin sehr zufrieden.

Ein interessantes Detail findet sich an den Ärmeln, die dreiviertellang sind, weil ich nicht nochmal nachfärben wollte… Es gab an beiden Seiten ein fast identisches Pooling – unbeabsichtigt aber durchaus reizvoll: Amburgo-05

Poison Ivy zum letzten Mal

Nachdem er nun eine Weile ruhen durfte, habe ich den Schal gespannt und war am Ende angenehm überrascht. Ich hatte mich ja nur mühsam aufraffen können, ihn überhaupt fertig zu stricken und dann wollte ich ihn auch nicht mehr sehen. Aber da war gerade mit dem Spannen des Herbstblätterschals die Küche total blockiert, also kam es auf noch eine Nacht nicht an und das Ergebnis hat wie gesagt überrascht. 0Efeu-02Ein Lieblingsteil wird es wohl nicht werden, aber ich finde, er sieht nun doch ganz respektabel aus…

347 g Mille Colori Socks stecken drin, gestrickt mit Nadeln 3,0. Es war recht frickelig und die Löcher an den Blattstielen habe ich nicht wirklich bezwingen können. 0Efeu-03Als I-Tüpfelchen war die Wolle das Grauen pur – dazu hatte ich mich ja bereits ausgelassen – und jetzt nach nach 20 Minuten in fast kaltem Wasser mit einem Spritzer Eucalan darin – sieht sie total filzig aus und fühlt sich auch so an. Gut zu wissen, denn ich habe von jeder Farbe noch ein Knäuel….

Der Blätterschal – es ist vollbracht!

0Blätterschal-05Nie hätte ich gedacht, dass der mal fertig wird! Gestartet hatte ich ihn 2013/2014. Schnell stellte sich heraus, dass die geplante Wolle nicht mal ansatzweise für zwei Blätterreihen reichen würde und ich verlor die Lust, konnte mich aber nicht aufraffen, das Elend zu ribbeln. Immer mal wieder guckte ich das Fragment schief an, aber es regte sich auch kein Fünkchen Lust zum Weitermachen. Inzwischen hatte ich handgefärbte Wolle für die Fortsetzung gesponsert bekommen, aber die passte farblich dann doch nicht und zu wenig war es immer noch. Doch dann kam der Poison Ivy und nicht klein zu kriegende Blättersucht hatte mich gepackt. Erstmal ging der Versuch weiterzumachen komplett in die Hose. Aber der Ehrgeiz war geweckt. Es hieß, alles auf Null, Wolle passend überfärben, für das Mittelteil passendes Garn suchen (Stashabbau war dringend angesagt) und dann – NEUSTART! Irgendein Vögelchen zwitscherte mir, statt 25 Blättern pro Seite nur 23 zu stricken, da mein Garn dicker als das der Designerin war. Was für eine geniale Entscheidung, sie führte dazu, dass die Wolle reichte – gerade mal so, aber das ist ja egal.

Gestern wurde das Werk dann von der Streckbank erlöst und präsentiert sich nun in aller Pracht und Herrlichkeit 😉

2,55 m in der Länge und 56 cm in der Breite misst das Teil, verstrickt sind 417 g Sockenwolle mit Nadeln 3,0 mm. Und nun kann ich sagen, dass es mir vorläufig reicht mit der Blätterstrickerei…

0Blätterschal-080Blätterschal-09Der „schäbige Rest“ – eine Blättergirlande vom ersten Versuch und die verbliebenen 20 g Fadenenden: